|
26.11.2005
Quickborner Tageblatt
Kleines Dorf zur Revolte aufgerufen
ELLERAU: Rat für Bürgerentscheid
Beinahe wäre die Ellerauer Rebellion an der benötigter Zweidrittel-Mehrheit gescheitert. Die SPD-Fraktion machte kurzfristig eine Kehrtwende.
Das 5000-Seelen-Dorf Ellerau probt den Aufstand gegen Kiel. Wie unsere Zeitung berichtete, will es durch einen Bürgerentscheid Zeichen gegen die geplante Gemeindestruktur-Reform (Kommunen unter 8000 Einwohner müssen sich zu größeren Verwaltungseinheiten zusammenschließen) setzen. Ellerau kämpft gegen die Zwangsfusion mit einem Nachbarort. Darum stand auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeindevertretersitzung der Beschluss, einen Bürgerentscheid herbeizuführen, durch den die Ellerauer bekunden, dass sie eine selbst ständige Verwaltung und einen hauptamtlichen Bürgermeister behalten wollen.
"Landesregierung unter Druck setzen"
Aber dieser Schachzug, mit dem die Landesregierung unter Druck gesetzt werden soll, fand bei den Gemeindevertretern nicht uneingeschränkt Zustimmung. Peter Groth vom BürgerForum argumentierte: "Der Bürgerentscheid wird keine Auswirkungen haben. Darum macht er keinen Sinn." Eckart Urban (SPD) schlug in die selbe Kerbe: "Ein Bürgerentscheid hat keine Wirkung auf ein Landesgesetz." Er sei reiner Protest, der den Ort zirka 5000 Euro koste.
"Das muss es uns wert sein", konterte Joachim Dose (CDU) und wies darauf hin, dass der Widerstand bereits erste Erfolge gezeitigt habe. Ein Pressebericht wurde zitiert, wonach Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) Ausnahmeregelungen für einzelne Gemeinden in Aussicht stellte. Diese Information veranlasste die SPD zu einer kurzen Sitzungsunterbrechung, während der die Genossen eine Kehrtwendung zu Gunsten des Bürgerentscheids vollzogen. Nur Peter Groth und Werner Urbanik (BVE) stimmten dagegen.
Damit war die Befragung der Ellerauer mit mehr als der benötigten Zweidrittel-Mehrheit auf den Weg gebracht. Aber auch bei einer Ablehnung durch die SPD-Fraktion, hätten sich die CDU sicher nicht von der Rebellion gegen Kiel abhalten lassen. Den Befürwortern einer Abstimmung unter den Bürgern wäre ein zweiter Weg offen gestanden: das so genannte Bürgerbegehren. Dazu hätten Unterschriften für ein Bürgerentscheid gesammelt werden müssen. Diesen "Plan B" hatten Bürgervorsteher Bernd Exler (CDU) und seine Parteikollegen schon in der Schublade.
Jetzt geht es auch ohne: Am Sonntag, 5. März, werden die Ellerauer abstimmen, ob ihre Gemeinde hauptamtlich bleiben soll. Zu diesem Thema wird bereits am Mittwoch, 30. November, eine Einwohnerversammlung im Bürgerhaus, Højerweg, abgehalten. (bib)
|