BürgerForum Ellerau

Ellerau: Zwangsehe spart 200 000 Euro

5. Oktober 2009 | 00:10 Uhr | von Beatrice Maaß

Klare Aussage: Oberbürgermeister Hans-Joachim Grot, Bürgermeister Eckart Urban und Kirstin Langhanki, Leiterin des Bürgerbüros im Ellerauer Rathaus, berichten über ausschließlich positive Effekte der Verwaltungsstrukturreform. Maaß

ELLERAU. Die Verwaltungsehe zwischen Norderstedt und Ellerau ist finanziell ein großer Erfolg. Durch sie hat Ellerau mehr als 200 000 Euro in der Kasse - und es sollen noch mehr werden.

"Unsere wirtschaftlichen Erwartungen wurden sogar übertroffen", kommentierte Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (CDU) während einer Pressekonferenz mit Elleraus Bürgermeister Eckart Urban (SPD). Beide Orte profitierten von der Verwaltungskooperation. So hätten seit der "Eheschließung" im Januar 2007 allein an Sachkosten (Geschäftsausgaben, Zeitschriften, Bücher, EDV) fast 55 000 Euro jährlich eingespart werden können. Das sei mehr als zunächst veranschlagt, betonte Grote.

Weil es sich nicht um einmalige Kostendämpfung, sondern um Einsparungseffekte handele, die jedes Jahr wieder einträten, profitierten die beiden Orte langfristig, ergänzte Urban.

"Auch bei den Personalkosten sind die Erwartungen weit übertroffen worden", verkündete Grote, Chef der gemeinsamen Verwaltung. Schon jetzt, nach nur knapp zwei Jahren, sei es gelungen, vier Mitarbeiter aus Ellerau in die Norderstedter Verwaltung zu übernehmen. Dadurch spare Ellerau 100 000 Euro Personalkosten im Jahr.

Wenn die restlichen noch zu integrierenden Arbeitsplätze nach Norderstdet überführt sind, werden sogar 250 000 Euro pro Jahr eingespart. Plus der 50 000 Euro Sachkosten beträgt das Einsparpotential dann 300 000 Euro jährlich.

Aber damit nicht genug. 60 000 Euro jährlich müssen bis 2010 noch hinzugerechnet werden. Diese Summe wird eingespart, weil der ehemalige Ellerauer Bürgermeister Torsten Thormählen als Stadtrat nach Norderstedt ging und somit nicht mehr von Ellerau bezahlt wurde. Seine Heimatgemeinde hätte ihn bis 2010 besolden müssen, weil solange seine Amtsperiode als hauptamtlicher Bürgermeister dauerte. Sein Nachfolger Urban ist hingegen ehrenamtlicher Bürgermeister und erhält darum nur eine Aufwandsentschädigung und hat keinen Pensionsanspruch, wie er selbst betonte.

Zu den geparten Euro kommt noch hinzu, dass die "Hochzeitsprämie", die das Land für den Verwaltungszusammenschluss zahlte, nicht aufgebraucht wurde. Sowohl Ellerau als auch Norderstedt seien je 20 000 Euro übriggeblieben, rechnete Grote vor.

Insgesamt ist die Verwaltungs-Ehe, die Ellerau aufgezwungen wurde und gegen die sich die Kommunalpolitiker bis zuletzt gewehrt hatten (CDU-Politiker traten geschlossen aus der Partei aus), eine Erfolgsstory. Negative Effekte konnten weder Grote noch Urban nennen. Es seien allerdings einige Reibungen in der Verwaltung - hervorgerufen durch die unterschiedliche Arbeitsweise - entstanden.

 

Kommentar  zur Veraltungsfusion

Verwaltungsehe mit Norderstedt hilft  Ellerau viel Geld zu sparen

Veränderungen sind nicht populär und führten zu politischen Turbulenzen in der Gemeinde Ellerau durch das Landesgesetz zur Verwaltungsstruktur. Die Kommunen mit weniger als 8.000 Einwohnern mussten ihre hauptamtliche Verwaltung soweit vorhanden an größere Kommunen übertragen oder mit anderen Orten Verwaltungseinheiten bilden. Statt mit Fakten zu argumentieren wurde mit Polemik die Nachteile bei der Abschaffung der eigenen hauptamtlichen Verwaltung mit einer anderen administrativen Verwaltungsgemeinschaft  nur negativ den Bürgern dargestellt. Die Ellerauer Bürger wurden auch noch  mit einem Bürgerentscheid   veralbert, der ohne Rechtswirkung war. Kosteneinsparungen  wurden angezweifelt. Von manchen Gemeindepolitiker wurde der Verlust von Fachkompetenz befürchtetet. Die bisherige Struktur war zu teuer und angesichts leererer Kassen auch nicht mehr in der Lage den wachsenden Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Zwei Jahre nach der Verwaltungsfusion mit Norderstedt konnte die Gemeinde Ellerau  bereits 200.000 Euro  bei den Sachkosten und Personkosten einsparen. Künftig muss die Gemeinde jedes Jahr sogar 250.000 bis 300.000 Euro weniger Kosten aufwenden, als zu  Zeiten bei einer hauptamtlichen Verwaltung. Die Einsparungen reichen bei weiten nicht aus  um  den Verwaltungshaushalt auszugleichen. Hier liegen die Ursachen in der Vergangenheit  durch übereilte   Entscheidungen ohne die Folgekosten mit einzuplanen. Ferner steht die Norderstedter Verwaltung mit allen Fachabteilungen zur Bearbeitungen weiter  reichenden Aufgaben in vollen Umfang mit Rat und Tat zur Verfügung.

Das BürgerForum Ellerau sieht sich als einzige Wählergemeinschaft  in seiner Aussage von 2005 zur Reduzierung der Verwaltungskosten auf allen Ebenen von der Kieler Landesregierung bestätigt. Die Kostenersparnis führte nicht zu Lasten der Bürgerfreundlichkeit. Im Bürgerbüro vor Ort werden alle Verwaltungsangelegenheiten und Anliegen  zügig bearbeitet. Wir können nur eine positive Bilanz ziehen,  die Verwaltungsstrukturreform ist für Ellerau geglückt.    Peter Groth

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